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Unvollkommenheit als Stärke in einer digitalen Welt

  • Autorenbild: Anita Glombik
    Anita Glombik
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit
Perfektion hat einen guten Ruf. Sie klingt nach Professionalität, nach Sorgfalt, nach Anspruch. Und doch beobachte ich in meiner Arbeit immer wieder, wie stark der Wunsch nach Fehlerlosigkeit belastet.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay


Ich begegne in Coachings Menschen, die überzeugt sind, sie müssten in jeder Situation makellos auftreten – sei es im Bewerbungsgespräch, in Präsentationen, in Meetings oder im gesamten beruflichen Selbstbild. Hinter diesem Anspruch steht häufig der Wunsch nach Sicherheit und Anerkennung. Doch der Preis ist hoch.

Perfektionismus kostet Zeit. Er verzögert Entscheidungen, verschiebt Ergebnisse nach hinten und führt selten zu Zufriedenheit, weil die eigene Messlatte sich ständig weiter nach oben bewegt.


Was die Forschung zeigt


Psychologen wie Gordon Flett und Paul Hewitt sowie neuere Studien von Thomas Curran und Andrew Hill weisen darauf hin, dass Perfektionismus weltweit zunimmt. Parallel dazu steigen Stressbelastung und Erschöpfung. Menschen mit stark ausgeprägtem Perfektionismus werden zudem häufig als weniger nahbar wahrgenommen.

Gleichzeitig zeigt die sozioemotionale Selektivitätstheorie von Laura Carstensen, dass sich Prioritäten im Laufe des Lebens verändern. Mit zunehmendem Alter rücken emotionale Stabilität und soziale Verbundenheit stärker in den Mittelpunkt. Das Bedürfnis, sich ständig beweisen zu müssen, nimmt ab.

Diese Entwicklung ist kein Verlust an Ehrgeiz, sondern eine Verschiebung hin zu mehr innerer Klarheit.


Erfahrung als Referenzrahmen im Umgang mit KI


Je stärker Künstliche Intelligenz in Arbeitsprozesse eingebunden wird, desto wichtiger wird die Fähigkeit, ihre Ergebnisse kritisch zu prüfen. KI generiert Antworten, aber sie übernimmt keine Verantwortung für deren Einordnung. Hier entsteht ein Vorteil für erfahrene Mitarbeiter: Wer über Jahre hinweg komplexe Entscheidungen getroffen hat, bringt einen Referenzrahmen mit, der hilft, Plausibilität zu prüfen, Widersprüche zu erkennen und Zusammenhänge realistisch zu bewerten.

Analysen der Harvard Business Review zeigen, dass Domänenwissen die Qualität von KI-Interaktionen deutlich verbessert. Studien des MIT belegen, dass der Nutzen von KI steigt, wenn Nutzer Kontextwissen einbringen.


Zusammenarbeit statt Konkurrenz


Besonders spannend wird es dort, wo unterschiedliche Generationen zusammenarbeiten. Jüngere bringen häufig Experimentierfreude und technisches Selbstverständnis ein. Ältere ergänzen diese Dynamik durch Struktur, Weitblick und Qualitätsbewusstsein.

Studien von McKinsey zeigen, dass altersdiverse Teams bei komplexen Fragestellungen bessere Ergebnisse erzielen. Nicht trotz ihrer Unterschiede, sondern gerade wegen ihnen.


Ein Raum für Austausch


In der Community „Karriere 55+“ werden diese Entwicklungen intensiv diskutiert. Mitglieder berichten von ihren ersten Erfahrungen mit KI, von Unsicherheiten und Aha-Momenten. Es entsteht ein Lernraum, in dem Unvollkommenheit kein Makel ist, sondern Teil des Prozesses.
Niemand muss alles sofort beherrschen, aber jeder kann sich beteiligen. Vielleicht liegt genau darin die Stärke dieser Lebensphase: nicht im Streben nach Perfektion, sondern im Vertrauen auf die eigene Substanz.

 
 
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